Bild: Alexandria Crahan-Conway / Warner Music

We Are Not Your Kind

Slipknot

​Als die Jungs mit „All Out Life" - nebenstehend im Stream - nach längerer Schaffenspause auf die Bildfläche zurückkehrten, war der jubelnde Aufschrei groß. So roh, wild und brachial hatte man Slipknot schon lange nicht mehr erleben dürfen. Kein Wunder, dass die inzwischen schon leidig wirkenden Rufe nach einem dringenden „Iowa"-Comeback erneut relativ fix laut wurden - doch ausgerechnet jetzt hörten Corey Taylor und Co. zu. Mit „We Are Not Your Kind" knüpfen die maskierten Krieger ziemlich passgenau an eben jener guten, alten Zeit an, liefern ein Brachialwerk der Extraklasse ab und überzeugen dabei mit 14 absolut einmaligen Tracks der alten Schule. Trotzdem fühlt sich der Sound auf Album Nummer 6 frisch und unverbraucht genug an, um auch von moderneren Produktionen geprägte Ohren mit gewohnt mächtiger Qualitätshärte zu umschmeicheln.

Wir hatten noch nie so viel Zeit, ein Album zu schreiben und gemeinsam an Sachen zu arbeiten. Eine meiner Inspirationen waren dieses Mal Künstler, die komplette Alben aufnehmen - und nicht einfach nur Songs. Während die gesamte Branche sich in Richtung Singles entwickelt, wollten Slipknot von vorn bis hinten ein Album-Erlebnis erschaffen.

Jim Root via Warner Music

​Und zugegeben, besser hätten Corey und seine Jungs die Promo zum sechsten Studioalbum wohl nicht aufziehen können. Angefangen bei einer alleinstehenden Single, die als bloßes Statement zur Rückkehr der Band veröffentlicht wurde („All Out Life"), über die bedächtig gestreuten Geschmacksschnipsel zum echten Albumsound („Unsainted") bis hin zur unglaublich genialen Kollaboration mit den Machern von „The Boys", der neuen Comic-Adaption nach Anarcho-Künstler Garth Ennis („Solway Firth") - das hatte alles locker Hand, Fuß und Maske. Last but definitely not least, gab's dann noch die so wichtige dritte Single, der man ganz im Stile der modernen YouTube-Vorbilder kurzerhand ein vertikales Video für den schmatzigen Smartphone-Genuss spendierte („Birth Of The Cruel"). So schön das Vorspiel letztlich auch war, so ernsthaft geht's nun endlich und ohne Gewissensbisse ins Eingemachte. Wer sich Wachstum, Veränderung und kreative Neugestaltung wünscht, dürfte mit „We Are Not Your Kind" jedenfalls reichlich danebengreifen. Slipknot sind auch auf ihrem sechsten Studioalbum schlicht und ergreifend Slipknot - und das ist auch ganz genau gut so.

Die Leute haben wieder sehr extreme Meinungen in beide Richtungen, wie meine neue Maske gefällt. Für mich ist das exakt die Bestätigung, die ich gebraucht habe. Sie soll eben eine Diskussion auslösen.

Corey Taylor via Uproxx

Wo „All Hope Is Gone" 2008 noch versuchte, die Band mit neuen Soundmustern irgendwie moderner wirken zu lassen und dabei eher als schwarzes Schaf innerhalb der bandinternen Diskografie zurückblieb, bot schon das 2014er „.5: The Gray Chapter" starke Comeback-Qualitäten zum gewohnt finsteren Slipknot-Sound. Fünf Jahre später hantieren die Jungs noch ausgiebiger an allen bekannten Stellschrauben, lassen Drummer Jay Weinberg in Teilen sogar Joey Jordisons ikonisch scheppernde Schlagzeugästhethik zurückbringen und präsentieren letztlich ein Album, das schlicht und ergreifend komplett ist. Man kann förmlich spüren, wie viel Zeit, Kreativität und Arbeit Corey Taylor, Jay Weinberg, Mick Thomson (Gitarre), Sid Wilson (DJ), Craig Jones (Sampling), Shawn Crahan (Percussion), James Root (Gitarre) und Alex Venturella (Bass) in diese Platte investiert haben. Die Fans werden es ihnen definitiv danken!

​Gut Ding will Weile haben - hat Goethe gesagt, oder so. Irgendwas muss an dem reichlich runtergerockten Sprichwort wohl aber dran sein: Slipknot sind mit Album Nummer 6 zurück!

TRACKLIST

  1. Insert Coin
  2. Unsainted
  3. Birth Of The Cruel
  4. Death Because Of Death
  5. Nero Forte
  6. Critical Darling
  7. Liar's Funeral
  8. Red Flag
  9. What's Next
  10. Spiders
  11. Orphan
  12. My Pain
  13. Not Long For This World
  14. Solway Firth