Bild: Tementiy Pronov / Napalm Records

Macro

Jinjer

​​​​​​Aus klein wird groß: Stilsicher spinnen die ukrainischen Senkrechtstarter von Jinjer ihr vormaliges „Micro"-Konzept weiter fort und präsentieren mit „Macro" ein opulentes Machwerk der absolut logischen Konsequenz. Wer auch in 2019 noch keinen Schimmer hat, welch Monster sich hinter dem Namen Jinjer verbirgt, darf nun im feinen Stile gut 40 Minuten lang nachsitzen - und das bei nur neun Tracks! Doch der Reihe nach: Die Reise der vier Künstler um Frontfrau Tatiana Shmaylyuk, ihres Zeichens menschgewordene Göttin und Stimmvirtuosin irgendwo zwischen Himmel und Hölle, begann bereits 2011 in der Verständnislosigkeit des ukrainischen Hinterlands. Nach einem kriegsbedingten Ortswechsel und dem Schritt hin zu Napalm Records war der Bann endlich gebrochen: Spätestens mit dem 2016 veröffentlichten „King Of Everything" und so Songs wie „I Speak Astronomy" oder „Pisces" spielten sich Jinjer dank herausragender Qualitäten endgültig in den Vordergrund.

Wie viel Plan hinter der Vorgehensweise von Tati und Co. steckt, zeigt die Art und Weise, wie sich Jinjer nachfolgend in den vergangenen zwei, drei Jahren öffentlich präsentierten. Live-Shows am laufenden Band, selbstbewusste aber nie auch nur im Ansatz überhebliche Interviews mit kleineren und größeren Plattformen sowie eben die Anfang des Jahres veröffentlichte EP „Micro" sorgten dafür, dass man sich als inzwischen fixe Größe innerhalb der Szene festsetzen konnte - ein Ende des ruhmreichen Aufstiegs ist dabei zugegeben noch lange nicht in Sicht. Die neue Scheibe präsentiert Jinjer in Höchstform, wobei es nun hörbar galt, den eigenen, abwechslungsreichen Stil auf „Macro" noch umfangreicher zu verfeinern, mit neuen Spielereien zu versehen und sich selbst so ein mittelgroßes Denkmal zu errichten. Absolut geglückt!

So spürt man im Verlauf der neun Songs etwa Nuancen des Reggae hier („Judgement (& Punishment)"), gar ukrainisches Folkore-Kolorit dort („Retrospection"), während sich Roman und Eugene als hungrige Wölfe am Saiteninstrument durch die Gehörgänge der Fans schrauben. Generell schlicht unglaublich, wie viel überragendes Talent und Kreativität die vier Freunde doch Song für Song auf den Tisch bringen - davon könnten sich andere Bands des Genres gut und gern mal eine Scheibe abschneiden. Wer ganz neu in der chaotisch geordneten Welt von Jinjer ist, sollte sich für den Anfang mal „Perennial" im Kontrast zu „lainnereP" geben - der Single-Zwilling fasst dieses überragende Kreativmonster unheimlich gut zusammen.

Metal gilt in der Ukraine als verpönt, wird nicht als wertig angesehen und von der Allgemeinheit gemieden. Deswegen ist Metal-Musik bei uns auch nicht wirklich populär. Trotzdem gibt es hier viele gute Bands - ob Metal, Stoner oder Indie-Rock.

Tatiana Shmaylyuk via Live Metal

Djent done right: Auch mit „Macro" beweisen Jinjer wieder einmal, dass sie die unangefochtenen Meister des progressiven Core-Spektrums sind.

TRACKLIST

  1. On The Top
  2. Pit Of Consciousness
  3. Judgement (& Punishment)
  4. Retrospection
  5. Pausing Death
  6. Noah
  7. Home Back
  8. The Prophecy
  9. lainnereP